Die Sache in der Mitte

Manch geplagter Familienmensch (zumeist weiblichen Geschlechts) wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Zimmer oder eine Wohnung alleine zu bewohnen. Besonders junge Menschen leiden oft an räumlicher Enge. Wohnungen werden in unseren Gemeindegebieten nicht nur aus Mitteln der Wohnbauförderung gebaut und nicht nur für Menschen mit Familie. Es kann wunderbar sein, alleine ein Zimmer zu bewohnen. Gebe ich eine Sache in die Mitte des Zimmers, so bleibt diese dort liegen. Kein anderer Mensch legt das Ding beiseite oder schiebt es weg. Die Sache befindet immer in der Mitte des Raumes, beim Weggehen wie auch beim Nachhausekommen. Das Ding kann tagelang so liegen bleiben – niemanden stört das. Die Sache liegt oder das Ding steht mitten im Zimmer. Genau so lange, bis der Bewohner oder die Bewohnerin das selbst ändert. Ja, eine Wohnung oder ein Zimmer alleine zu bewohnen kann als gute Übung gelten, um sich selbst zu ändern, denn keine helfenden Hände oder gut gemeinten Ratschläge stören den Einklang mit sich selbst.


Putzfrau oder Generaldirektor

Wer bestimmt den Wert einer Tätigkeit? Diese Gedanken nisten sich immer wieder in meinem Kopf ein. Nicht nur dann, wenn ich beispielsweise menschliche Aktivitäten eines Industriebetriebes beobachte. Welche Tätigkeit ist nun wertvoller – die Arbeit der Putzfrauen oder die Handlungen des Generaldirektors? Ohne das vorausschauende Planen und Koordinieren würde der Betrieb nicht funktionieren und die Maschinen würden bald Sinnloses produzieren. Jedoch schaffen die sogenannten „niedrigen Tätigkeiten“ eine angenehme Atmosphäre und sorgen für menschenwürdige, saubere Arbeitsbedingungen. Ein Betriebsleiter würde bald die Lust an seiner Tätigkeit verlieren, wenn er von Motten, Wanzen und Milben umschwärmt wäre. Welch eine grausige Vorstellung! Und da frage ich mich allen Ernstes: Woher kommt die gesellschaftliche Minderbewertung dieser so notwendigen Arbeit?


Die Globalisierung

Mutige geistreiche Menschen haben es oft schwer, ihre Ideen durchzusetzen, denn zu viele komplizierte Gesetze und Vorschriften regeln unser tägliches Leben. Zu oft sind starre Aussagen zu hören, wie beispielsweise: „Das war immer schon so.“ „Da kann man nichts machen – Vorschrift ist Vorschrift.“ Und doch gibt es zahlreiche Gesetze, die Handlungsspielräume frei lassen. Es handelt sich immer um Menschen, die diese Verordnungen im Alltag umsetzen. Was wäre, wenn Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit neuen Ideen nicht mehr als BittstellerInnen von einem Amt zum anderen pilgern müssten? Was wäre, wenn einfache Menschen rasch und wirkungsvoll amtliche Hilfeleistungen empfangen könnten? Das wäre wahrscheinlich viel zu innovativ! Hingegen scheint es viel einfacher zu sein, einem abstrakten Wort wie Globalisierung so viele Unzulänglichkeiten wie möglich in die Schuhe zu schieben. Verantwortung für Arbeitslosigkeit von überwiegend jungen Menschen liegt nicht unter unserer gesellschaftlichen Kontrolle – oder doch? Konkurrierende Produkte aus dem fernen Osten müssen unsere Märkte überschwemmen, denn bei uns sind die Lohnkosten für eigene Erzeugnisse viel zu hoch. Wir können nichts machen, denn in diesen Angelegenheiten sind wir machtlos. Wie alle Vereinfachungen komplizierter Zusammenhänge stimmen solche Aussagen lediglich teilweise. Wie bei so Vielem im menschlichen Zusammenleben wird niemals der Kern der ganzen Wahrheit getroffen. Es gibt auch in unserem Land mutige Menschen mit guten Ideen und ein starkes Gefühl lässt mich daran glauben, dass man/frau da schon was machen kann.


Eine Frau in den „besten“ Jahren

„Männer mit grauen Schläfen sind in den besten Jahren.“ Dieser Ausspruch begleitet mich schon seit meinen Kinderjahren. Was sind nun die besten Jahre für Frauen? Sind es nur die jungen, schlanken und glatten? Dabei soll es doch Menschen geben, die bereits an ihrem 30. Geburtstag in Depressionen fallen, weil sie angeblich zu alt für so manch jugendliche Vergnügung wären. Jetzt höre ich immer öfter, dass die besten Jahre für Frauen erst ab dem 50. Geburtstag kommen. Nun – was wäre aber, wenn Menschen voll und ganz in der Gegenwart leben würden und die kleinen Freuden genießen könnten? Und was wäre, wenn wir uns nicht um große Schreckgespenster sorgen müssten? Dann wären die besten Jahre wohl immer, egal ob der Mensch als Mann oder Frau sein Dasein fristen müsste.


Schweden – Italien

Zwei unterschiedliche europäische Länder, das eine im Norden – das andere im Süden unseres Kontinents. Die Klimazonen prägen mitunter auch die menschlichen Bewohner. So manche Stereotypen von feurigen temperamentvollen Südländern und kühlen zurückhaltenden Menschen des Nordens finden im Alltag ihre Bestätigung. In den letzten Jahren können wir jedoch immer wieder hören, dass in Schweden mehr Kinder geboren werden als im kinderfreundlichen Italien. Es klingt unglaublich, obwohl die Bevölkerungsstatistiken eine deutliche Sprache sprechen. Wie kann es möglich sein, dass im Land der Mamas immer weniger Kinder das Licht der Welt erblicken? Junge Italienerinnen müssen sich entscheiden: Kinder oder berufliche Karriere. Für junge Schwedinnen gibt es andere Rahmenbedingungen. So sind nicht nur die betrieblichen Organisationen kinderfreundlich eingerichtet. Eltern haben zum Beispiel Anspruch auf 90 Tage Pflegeurlaub pro Jahr, weil sich nicht planen lässt, wann Kinder erkranken. Dort tragen nicht alleine die Mütter das Risiko für die gesellschaftlich wertvolle Nachkommenschaft!


Nur ein Klischee?

Der moderne Mensch hat nach einigen Lebensjahrzehnten üblicherweise viele tausend Fernsehstunden konsumiert. Man denke zum Beispiel an Krimis, die oft in ähnlichen Mustern gestrickt sind. Es wird aus Rache, Liebe, Eifersucht oder ähnlichen Motiven gemordet. Verstrickte Gefühle werden im Film kunstvoll primitiv entwickelt. Doch vor einigen Tagen gab mir die filmische Handlung wieder einmal zu denken. Ein Mann wurde zum Mörder, weil er als Retter seine Frau beschützen wollte. Ist das nur die billige Nachahmung vom Mythos der schwachen Frau und des starken Mannes? Wem nützt es, wenn sich Frauen im 21. Jahrhundert die starke männliche Schulter zum Anlehnen wünschen? Natürlich – Fernsehfilme sollen nicht mit dem realen Leben verglichen werden. Und doch wirken die Bilder im menschlichen Unbewussten. Was wäre, wenn wir andere Beziehungsmuster im Fernsehen sehen könnten? Ich träume von jahrzehntelang immer wiederkehrenden Filmen, in denen Männer und Frauen als gleichwertige Partner respektvoll miteinander umgehen und ihre Probleme im sprachlichen Diskurs lösen.


Zweierlei Maß

Es gibt sie wirklich, diese Länder auf unserer Erde, in denen die Menschen ihres Lebens nicht sicher sind. Räuberbanden und verbrecherische Organisationen treiben ihr Unwesen und versetzen die normale Bevölkerung eines Landes in Angst und Schrecken. Werden Touristen in solche einem Land als Geiseln gefangengehalten und glücklicherweise befreit, dann ist unser aller Mitgefühl auf ihrer Seite. Sind wir fähig, uns in die Rolle der anderen Menschen zu versetzen, dann verfolgen wir hier – aus der sicheren Position – mit Schaudern die anschaulichen Berichte dieser angsterfüllten Ereignisse. Wo bleibt jedoch unser Mitgefühl, wenn Flüchtlinge aus diesen chaotischen Ländern an unsere Tür anklopfen? Ich sehe dieses „Anklopfen“ symbolisch als menschliche Suche, eine Herberge der Geborgenheit zu finden. Ist nicht diese Sehnsucht in uns allen vorhanden? Es handelt sich um eine tiefliegende menschliche Ambivalenz! Denn einerseits freuen wir uns selbst, in einem sicheren Land mit einem geordneten Staatssystem zu leben und sehen diese Sicherheit durch zu viele Ausländer gefährdet. Andererseits fehlt uns oft die Einsicht, dass sich auch diese Menschen nach geordneten und menschwürdigen Verhältnissen sehnen!


Wohlstand für alle kann die Gesundheit fördern

Aus gesicherten Quellen können interessierte StaatsbürgerInnen erfahren, dass arme Menschen für Krankheiten weit mehr anfällig sind als wohlhabende. Aus unserer Zivilisationsgeschichte können wir lernen, dass gesellschaftlich verursachte Ungleichgewichte krankmachende Faktoren beträchtlich erhöhen können. Nicht erst, wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zur Versklavung eines Teiles der Bevölkerung geführt haben, besteht diese Gefahr. Diese Nachteile können schon viel früher auftreten. Kriminelle Handlungen und Missbrauch verschiedenster Art wachsen schneller, wenn das Gefüge durch starke Ungleichgewichte gestört ist. Diese Tatsachen können oft beträchtliche Angst erzeugen. Die überwiegende Mehrzahl der arbeitenden Menschen in Österreich verwendet die Hälfte ihres Einkommens für Steuern und Sozialabgaben. Ist es da nicht sinnvoll, wenn unser Bestreben, Denken und Handeln in Richtung Wohlstand für alle zeigt, denn materielle Mittel sollten doch unter dieser Abgabenquote zur Genüge vorhanden sein!